Quan­ten-Bau­ele­men­te

Zukünftige Anwendungen von optischen Quantentechnologien hängen in hohem Maße von der Verfügbarkeit miniaturisierter und zuverlässiger optischer Bauelemente mit speziell zugeschnittenen Funktionen ab. In unserer Gruppe arbeiten wir an der Entwicklung sogenannter integriert optischer Schaltkreise für verschiedene Quantenanwendungen. Ziel ist dabei - analog zu integriert elektrischen Schaltkreisen - verschiedene optische Funktionselemente in einem gemeinsamen Substrat zu integrieren und damit optische Chips mit komplexer Funktionalität, hoher Effizienz und kompakter Bauweise zu realisieren.

Die „LiN­bO3-Tool­box“ -- ein Bau­kas­ten mit Funk­ti­ons­ele­men­ten

Für unsere Schaltkreise nutzen wir die Eigenschaften von Lithiumniobat aus. Das ist ein dielektrischer Kristall mit hervorragenden elektrooptischen und nichtlinear optischen Eigenschaften. Schaltkreise werden dabei entweder im Substratmaterial mit Titan-eindiffundierten Wellenleitern oder neuerdings vor allem in Dünnschicht-Lithiumniobat (thin-film lithium niobate, TFLN) realisiert.

Für beide Herstellungstechnologien haben wir inzwischen eine Vielzahl von unterschiedlichen Funktionselementen entwickelt [1]. Somit steht uns ein Baukasten mit Elementen zur Verfügung, mit dem auch komplexere Schaltkreise monolithisch integriert werden können. Damit erreicht man nicht nur einen miniaturisierten Aufbau, sondern gewinnt auch substantiell an Stabilität, die mit konventionell optischen Aufbauten nur schwer erreichbar, aber für das Quantenexperiment zwingend erforderlich ist.

Neben geraden Wellenleitern umfasst das Spektrum an Funktionselementen beispielsweise passive Kopplerstrukturen zur Leistungsteilung oder als Polarisationsteiler und periodisch gepolte Elemente für nichtlinear optische Wechselwirkungen wie beispielsweise Frequenzkonversion oder Photonenpaarerzeugung. Eine weitere Kategorie von Funktionselementen bilden die elektrooptischen Komponenten, mit denen Lichteigenschaften wie Phase, Leistung oder Polarisation mit elektrischen Steuersignalen manipuliert werden können.

Pho­to­nen­paa­r­quel­len

Quellen zur Erzeugung einzelner Photonen oder Photonenpaare sind grundlegende Voraussetzungen für viele quantenoptische Anwendungen. In den letzten Jahren haben wir eine Vielzahl verschiedener integriert optischer Versionen solcher Quellen entwickelt [2-4]. Alle diese Quellen nutzen die chi(2)-Nichtlinearität von LiNbO3, die die Erzeugung von Photonenpaaren durch parametrische Abwärtskonversion (PDC) ermöglicht. Dabei zerfällt ein Pumpphoton in zwei Tochterphotonen, die als Signal- und Idler-Photon bezeichnet werden. Dieser PDC-Prozess unterliegt den Regeln der Energieerhaltung und der Phasenanpassung (Impulserhaltung), wobei Letztere durch Quasi-Phasenanpassung in einer periodisch polarisierten Struktur realisiert werden kann.

Schwerpunkte der Arbeiten in den vergangenen Jahren war die Entwicklung spezifischer maßgeschneiderter Quellen. Dazu zählen beispielsweise benutzerfreundliche Plug-and-Play-Quellen mit Faserpigtails oder auch spektral schmalbandige PDC-Quellen, die z.B. effizient an Quantenspeicher angekoppelt werden können. 

Zukünftige Arbeiten werden sich schwerpunktmäßig auf die Entwicklung von Quellen in TFLN konzentrieren. Durch das Ausnutzen von beispielsweise Wellenleiterdispersion oder resonanten Strukturen ergeben sich in TFLN ganz neue Designmöglichkeiten mit einem breiten Anwendungsspektrum in Quantencomputing, -metrologie und -kryptographie. 

 

Elek­tro-op­ti­sche Mo­du­la­to­ren

In Lithiumniobat-Bauelementen kann der elektrooptische Effekt zur Manipulation von Lichteigenschaften ausgenutzt werden. Ultraschnelle Modulatoren mit Bandbreiten von mehreren 10 GHz und kleinen Schaltspannungen können mit TFLN Bauelementen realisiert werden. Über das elektrische Steuersignal wird beispielsweise die Phase einer Lichtwelle geändert. Befindet sich dieser Phasenmodulator im Arm eines Mach-Zehnder Interferometer, so bewirkt diese Phasenmodulation am Ausgang des Interferometers eine Intensitätsmodulation. Neben Phase und Intensität kann aber beispielsweise auch die Polarisation der Lichtwelle geändert werden.  

Aktuell entwickeln wir solche elektrooptischen Bauelemente in TFLN. Ziel ist dabei vor allem die Entwicklung von Bauelementen mit speziell auf die spezifischen Anforderungen für quantenoptische Applikationen angepassten Eigenschaften zu realisieren.

Pho­to­ni­sche Schalt­krei­se für quan­ten­op­ti­sche An­wen­dun­gen

Das Hauptziel der „integrierten Quantenoptik“ ist die monolithische Integration komplexer optischer Systeme in „optische Chips“ mit spezifischer Funktionalität. Eine solche Miniaturisierung, die mit einer vereinfachten Handhabung, einer deutlich erhöhten Stabilität und einer kostengünstigen Herstellung einhergeht, ist unerlässlich, um optische Quantentechnologien für den täglichen Gebrauch geeignet zu machen. 

Wir haben einen „HOM-Chip“ als Beispiel für einen integrierten optischen Schaltkreis für ein typisches Quantenexperiment vorgestellt [5]. Auf dem Chip werden durch einen nichtlinearen Prozess Photonenpaare erzeugt. Diese werden räumlich getrennt und verschiedenen Wellenleitern zugeführt. An die Elektroden des Chips angelegte Spannungssignale bewirken eine Polarisationsumwandlung und ermöglichen gleichzeitig eine zeitliche Verzögerung der Photonen zueinander. Am Ende des Chips werden die beiden Photonen dann in einem (integrierten optischen) Strahlteiler wieder vereinigt. Quanteninterferenz verursacht den sogenannten Hong-Ou-Mandel-Effekt (HOM-Effekt): Wenn die Photonen den Strahlteiler gleichzeitig erreichen und ihre Eigenschaften identisch sind, verlassen sie den Strahlteiler immer als Paar. Dies ist eine grundlegende Quanteneigenschaft des Lichts und dient als Grundlage für viele dann viel komplexere Quantenlogikoperationen, z. B. in zukünftigen Quantencomputern. 

Während der oben beschriebene Schaltkreis noch mit konventionell gefertigtenTitan-eindiffundierten realisiert wurden, arbeiten wir jetzt verstärkt an Schaltkreisen in TFLN. Durch die deutlich stärkere Wellenführung sollten sich noch kompaktere Schaltkreise mit größeren Integrationsdichten realisieren lassen. 

Aus­ge­wähl­te Pu­bli­ka­ti­o­nen

[1] P.R. Sharapova, et al., „Toolbox for the design of LiNbO3-based passive and active integrated quantum circuits”, New J. Phys. 19, 123009 (2017) , DOI: 10.1088/1367-2630/aa9033

[2] N. Montaut, et al., “High-Efficiency Plug-and-Play Source of Heralded Single Photons”, Physical Review Applied 8 024021 (2017), DOI: 10.1103/physrevapplied.8.024021 

[3] K.H. Luo, H. Herrmann, S. Krapick, B. Brecht, R. Ricken, V. Quiring, H. Suche, W. Sohler, C. Silberhorn, “Direct generation of genuine single-longitudinal-mode narrowband photon pairs”, New Journal of Physics, 073039 (2015), DOI: 10.1088/1367-2630/17/7/073039 

[4] S. Babel, et al.,“ Ultrabright, two-color photon pair source based on thin-film lithium niobate for bridging visible and telecom wavelengths“ Optics Express 33, 52729 (2025), DOI: 10.1364/oe.571605 

[5] K.-H. Luo, et al., „Nonlinear integrated quantum electro-optic circuits“, Science Advances 5, eaat1451 (2019), DOI: 10.1126/sciadv.aat1451 

Ak­tu­el­le Pu­bli­ka­ti­o­nen aus der Grup­pe Quan­ten­bau­ele­men­te

SPDC single-photon source in Ti-indiffused diced ridge LiNbO3 waveguides

C. Kießler, M. Kirsch, S. Lengeling, H. Herrmann, C. Silberhorn, Optics Continuum 4 (2025).


Widely non-degenerate nonlinear frequency conversion in cryogenic titanium in-diffused lithium niobate waveguides

N.A. Lange, S. Lengeling, P. Mues, V. Quiring, W. Ridder, C. Eigner, H. Herrmann, C. Silberhorn, T. Bartley, Optics Express 33 (2025).


Harnessing temporal dispersion for integrated pump filtering in spontaneous heralded single-photon generation processes

J. Brockmeier, T. Schapeler, N.A. Lange, J.P. Höpker, H. Herrmann, C. Silberhorn, T. Bartley, New Journal of Physics (2025).


Photorefraction and in-situ optical cleaning in various types of LiNbO3 waveguides

M. Kirsch, C. Kießler, S. Lengeling, M. Stefszky, C. Eigner, H. Herrmann, C. Silberhorn, Optics & Laser Technology 193 (2025).


Ultrabright, two-color photon pair source based on thin-film lithium niobate for bridging visible and telecom wavelengths

S. Babel, L. Bollmers, F. Roeder, W. Ridder, C. Golla, R. Köthemann, B. Reineke, H. Herrmann, B. Brecht, C. Eigner, L. Padberg, C. Silberhorn, Optics Express 33 (2025).


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Dr. Harald Herrmann

Integrierte Quantenoptik

Gruppenleiter "Komponentenentwicklung"

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