Achtung:

Sie haben Javascript deaktiviert!
Sie haben versucht eine Funktion zu nutzen, die nur mit Javascript möglich ist. Um sämtliche Funktionalitäten unserer Internetseite zu nutzen, aktivieren Sie bitte Javascript in Ihrem Browser.

Validierung eines Instruments zur Erfassung der professionellen Handlungskompetenz von angehenden Physiklehrkräften

Zielsetzung

Bestehende Instrumente zur Diagnose der professionellen Handlungskompetenz von Physiklehrkräften operationalisieren dieses Konstrukt meist in Form von Wissenstests (professionelles Wissen: Fachwissen, fachdidaktisches Wissen, pädagogisches Wissen) im paper-pencil-Format. Dabei wird angenommen, dass das so erfasste Wissen eine kognitive Ressource bildet, die notwendig ist, um Physikunterricht „gut“ zu gestalten. Ob dieses Wissen allerdings wirklich relevant ist, um Physik adäquat zu unterrichten, ist allerdings theoretisch nicht sichergestellt und muss empirisch geprüft werden. Insbesondere, muss daher für das Paderborner Instruments zur Erfassung professioneller Kompetenz untersucht werden, ob zwischen den Testkennwerten und Kriterien für „gutes“ Unterrichtshandeln Zusammenhänge bestehen.

Projektbeschreibung

Zur Überprüfung der Testvalidität sind Zusammenhangsanalysen zwischen im Test erfassten Professionswissen und der „Qualität“ des Handelns (Performanz) einer (angehenden) Physiklehrkraft notwendig. Zu diesem Zweck wurde der Unterricht von 22 angehenden Physiklehrkräften (Lehramtsanwärterinnen und -anwärter, Studierende im Praktikum) videografiert und hinsichtlich sechs Aspekten der Unterrichtsqualität analysiert): Strukturierung, Motivierung, kognitive Aktivierung, Adaptivität (Umgang mit Heterogenität), Klassenführung und adäquater Umgang mit Experimenten. Um eine möglichst hohe Vergleichbarkeit des Unterrichts zu gewährleisten, erfolgte jeweils die Videographie einer zielgleichen Unterrichtseinheit (Einführung eines Begriffs/Konzepts) à 90 Minuten. Die Analyse erfolgt mit Hilfe  nieder-inferentee Kategoriensysteme und eines entwickelten hoch-inferente Ratingssystems bezogen auf die gesamte Unterrichtseinheit in allen Qualitätsdimensionen. Um die subjektive Sicht der Akteure zu erfassen, wurden im Anschluss standardisierte stimulated-recall-Interviews mit den angehenden Lehrkräften geführt. Die Erfassung der Kompetenz erfolgte mit Hilfe des Paderborner Instruments zur Erfassung der professionellen Handlungskompetenz von (angehenden) Physiklehrkräften. Die erhobenen Daten wurden sowohl quantitativ als auch qualitativ ausgewertet und anschließende korrelative Zusammenhangsanalysen vorgenommen.

Ergebnisse

Generell konnten (unter Berücksichtigung der kleinen Stichprobengröße) keine korrelativen Zusammenhänge zwischen der Ausprägung der Unterrichtsqualität und der Ausprägung des fachdidaktischen Wissens der Probanden festgestellt werden. Zwischen der Ausprägung des fachlichen Wissens und einigen Qualitätsdimensionen wurden signifikante negative Korrelationen festgestellt. Signifikant positive Zusammenhänge wurden hingegen zwischen der Ausprägung des erziehungswissenschaftlichen Wissens und fünf von sechs Qualitätsdimensionen festgestellt werden. Dieses Ergebnis liegt im Wesentlichen darin begründet, dass die Lehramtsanwärterinnen und -anwärter sowohl den qualitativ „besseren“ Unterricht durchführten, als auch in den Testabschnitten zum erziehungswissenschaftlichen Wissen signifikant höhere Werte erzielten. Für die anderen Wissensbereiche gilt dies nicht. Vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse lässt sich daher schlussfolgern, dass das Paderborner Instrument nur eingeschränkt handlungsvalide ist. Bei Personen im Vorbereitungsdienst scheinen andere kognitive Ressourcen bestimmender für die Unterrichtsgestaltung zu sein, während sich bei den Studierenden eine tendenzielle Relevanz des Wissens für das Unterrichtshandelns andeutet. Dieser Befund kann durch die Ergebnisse der Interviewanalysen fundiert werden. Die analysierten handlungsleitenden Kognitionen bezogen sich dabei (bzgl. aller Befragten) nicht nur auf Aspekte des professionellen Wissens, sondern auch andere „Quellen“, wie bspw. Unterrichtsmaterialien oder die Ratschläge von Kolleginnen und Kollegen. Diese Einschränkungen, die in ähnlicher Weise auch für andere Instrumente zur Erfassung professionellen Wissens von Lehrkräften zu erwarten sind, sollten beim Einsatz der Instrumente in Evaluationen oder Wirksamkeitsuntersuchungen berücksichtigt werden.

Publikationen (Auswahl)

Vogelsang, C. (2014). Validierung eines Instruments zur Erfassung der professionellen Handlungskompetenz von (angehenden) Physiklehrkräften – Zusammenhangsanalysen zwischen Lehrerkompetenz und Lehrerperformanz. Berlin: LOGOS-Verlag

Vogelsang, C. & Reinhold, P. (2013). Gemessene Kompetenz und Unterrichtsqualität – Überprüfung der Validität eines Kompetenztests mit Hilfe der Unterrichtsvideografie. In In Riegel, U. & Macha, K. (Hg.). Videobasierte Kompetenzforschung in den Fachdidaktiken (S. 319-334). Münster: Waxmann

Vogelsang, C. & Reinhold, P. (2013). Zur Handlungsvalidität von Tests zum professionellen Wissen von Lehrkräften. In Zeitschrift für Didaktik der Naturwissenschaften, 19, 103-128.

Projektdaten

Projektleitung: Prof. Dr. Peter Reinhold, Dr. Christoph Vogelsang

Das Projekt wurde gefördert im Rahmenprogramm zur Förderung der empirischen Bildungsforschung des BMBF (Promotionsförderung).

Förderkennzeichen: 01JG0920

Förderlaufzeit: 01.10.2009 – 31.12.2012

Kontakt

Dr. Christoph Vogelsang

Didaktik der Physik

Lehrveranstaltungen zum Praxissemester

Christoph Vogelsang
Telefon:
+49 5251 60-5484
Büro:
W4.207

Poster

Vogelsang, C.; Reinhold, P.

(2013): Handlungsvalidierung eines Kompetenztests. Eröffnung NWLL, Paderborn

(2013): Videoanalyse von Physikunterricht; Eröffnung NWLL, Paderborn

Die Universität der Informationsgesellschaft